Blutegeltherapie
Ein traditionelles naturheilkundliches Verfahren
Was ist eine Blutegeltherapie?
Die Blutegeltherapie ist ein traditionelles naturheilkundliches Verfahren, bei dem medizinische Blutegel gezielt auf die Haut gesetzt werden. Während des Saugvorgangs geben sie Speichelsekrete ab, die verschiedene biologisch aktive Substanzen enthalten.
Während früher vor allem der Blutentzug im Sinne eines Aderlasses im Vordergrund stand, beschäftigt sich die heutige Forschung insbesondere mit den Inhaltsstoffen des Blutegelspeichels und deren biologischen Eigenschaften.
Anwendungsgebiete
In der naturheilkundlichen Praxis wird die Blutegeltherapie im Zusammenhang mit unterschiedlichen Beschwerden des Bewegungsapparates angewendet.
Dazu zählen beispielsweise:
Gelenkbeschwerden bei Arthrose, etwa im Knie-, Daumen- oder Sprunggelenk
Beschwerden im Bereich des Ellenbogens, beispielsweise Tennisarm oder Golferarm
Beschwerden im Bereich von Sehnenansätzen
Ob eine Blutegeltherapie im Einzelfall infrage kommt, hängt von der individuellen gesundheitlichen Situation ab. Vor einer Behandlung werden die Beschwerden, mögliche Risikofaktoren und Gegenanzeigen sorgfältig besprochen.
Ablauf der Behandlung
Eine Behandlung dauert üblicherweise etwa 60 bis 90 Minuten. Die genaue Dauer kann je nach individueller Situation variieren.
Zu Beginn werden die medizinischen Blutegel an den vorgesehenen Hautstellen angesetzt. Sie beißen sich vorsichtig in die Haut ein und nehmen Blut auf. Während des Saugvorgangs geben sie Speichelsekrete in das umliegende Gewebe ab.
Nach einer gewissen Zeit lösen sich die Blutegel selbstständig. Anschließend werden die Bissstellen fachgerecht versorgt und mit einem saugfähigen Verband abgedeckt.
Da bestimmte Inhaltsstoffe des Blutegelspeichels die Blutgerinnung beeinflussen, kommt es an den Bissstellen noch mehrere Stunden zu einer Nachblutung. Eine sorgfältige Wundversorgung und Nachsorge sind daher wichtig.
Inhaltsstoffe des Blutegelspeichels
Der Speichel medizinischer Blutegel enthält verschiedene biologisch aktive Substanzen. Zu den bekanntesten zählen:
Hirudin: Hemmt die Blutgerinnung, indem es das Enzym Thrombin bindet.
Calin und Saratin: Beeinflussen die Anlagerung von Blutplättchen und tragen zur verlängerten Blutungszeit bei.
Destabilase und Apyrase: Besitzen biologische Eigenschaften, die im Zusammenhang mit Gerinnungsprozessen untersucht werden.
Hyaluronidase und Collagenase: Enzyme, die Bestandteile des Bindegewebes beeinflussen.
Eglin C und weitere Proteasehemmer: Inhaltsstoffe, deren biologische Eigenschaften unter anderem im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen untersucht werden.
Die genannten Substanzen sind Beispiele für die komplexe Zusammensetzung des Blutegelspeichels. Ihre biologischen Eigenschaften sind nicht mit einem gesicherten therapeutischen Nutzen für jedes einzelne Beschwerdebild gleichzusetzen.
Sicherheit und Gegenanzeigen
Für die therapeutische Anwendung werden geeignete medizinische Blutegel aus kontrollierter Herkunft verwendet. Die Behandlung erfolgt unter Beachtung der geltenden hygienischen und fachlichen Anforderungen.
Wie bei anderen therapeutischen Verfahren können auch bei der Blutegeltherapie unerwünschte Wirkungen auftreten. Dazu gehören insbesondere länger anhaltende Blutungen, lokale Hautreaktionen, allergische Reaktionen und Infektionen.
Eine Behandlung ist insbesondere bei bestimmten Blutgerinnungsstörungen, der Einnahme gerinnungshemmender Medikamente, ausgeprägter Blutarmut, Schwangerschaft oder einer bekannten Allergie gegen Bestandteile des Blutegelspeichels sorgfältig zu prüfen. Weitere Gegenanzeigen und Risikofaktoren werden im persönlichen Vorgespräch abgeklärt.
Rechtlicher Hinweis
Die Inhalte dieser Seite dienen der allgemeinen Information über die Blutegeltherapie. Sie stellen kein Heilversprechen und keine Garantie für eine Linderung, Besserung oder Heilung bestimmter Beschwerden dar.
Die Informationen ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden, unklaren oder akuten Beschwerden sollte eine entsprechende medizinische Abklärung erfolgen.